Stadtwald
Juli/August 2025, Friedrichshain-Kreuzberg
Stadtspaziergänge im Ortsteil Friedrichshain.


Eine Stadt ist ein menschliches Siedlungsgebiet mit dichter Bebauung und großer Bevölkerungszahl. Andere Lebewesen werden dabei meist nicht berücksichtigt. Ursprünglich waren Städte auch Orte, an denen sich Menschen von der umgebenden Natur abgrenzen und vor ihr schützen konnten. Inzwischen ist das nicht mehr der Fall, da wilde Natur kaum noch vorkommt.
Ein Wald hingegen ist ein Ort, an dem Bäume vielleicht die dominanten Lebewesen sind, aber stets auch andere Lebensformen mitgedacht werden. Eine Definition lautet: „Ein Wald ist ein komplexes ökologisches System, in dem Bäume die dominante Lebensform darstellen. Es ist das effizienteste natürliche Ökosystem mit einer hohen Rate an Photosynthese, die Pflanzen- wie auch Tiersysteme in einer Serie von komplexen organischen Zusammenhängen beeinflusst.“ (Britannica) Die Erde war einst weitgehend von Wäldern bedeckt, bevor der Homo sapiens begann, sie abzuholzen. Bis heute haben wir etwa die Hälfte der ursprünglichen Baumanzahl gefällt – und wir arbeiten weiterhin daran, weil wir Holz benötigen oder die Flächen lieber als Agrar-, Industrie-, Bau- oder Verkehrsfläche nutzen wollen. Dadurch verlieren wir nicht nur die Photosynthese, deren Ergebnisse wir atmen, sondern auch viele Arten, die ein ökologisches Gefüge bilden, in dem auch der Mensch einen Platz hat. Da Landwirtschaft größtenteils in Monokultur betrieben wird, reduziert sich auch auf den meisten Landflächen die Artenvielfalt. Inzwischen suchen einige Tier- und Pflanzenarten Zuflucht in Städten, weil sie dort eher eine Überlebensnische finden.


Wie viele Arten es auf der Erde gibt, ist nicht abschließend geklärt. Linné, der die heutige Klassifikation der Lebensformen begründet hat und dessen zweiteilige lateinische Namensgebung wir bis heute verwenden, listete in seinem umfassenden Werk etwa 20.000 Arten auf. Heute sind über zwei Millionen Arten bekannt, und die Wissenschaft befindet sich in einem Wettlauf, möglichst viele davon zumindest zu beschreiben, da zurzeit ein Artensterben gewaltigen Ausmaßes statt findet. Zuletzt ereignete sich ein vergleichbarer Verlust vor etwa 66 Millionen Jahren, als ein Meteorit die Lebensbedingungen auf der Erde rasch veränderte. Heute ist der Rückgang anthropogen, also durch Menschen verursacht. Zwar sind Artenaussterben Teil der Evolution, doch das heutige Ausmaß ist etwa hundertmal größer – etwa 130 bis 150 Arten sterben täglich aus.
Die Ursachen sind vielfältig. Eine englische Abkürzung fasst sie zusammen: H.I.P.P.O.
- Habitat: Lebensraumverlust, etwa durch Abholzung
- Invasive species: Verdrängung heimischer Arten
- Pollution: Umweltverschmutzung, etwa durch CO2-Ausstoß und andere Industrie- oder Transportemissionen
- Population: das Wachstum der menschlichen Bevölkerung, die immer mehr Fläche und Ressourcen beansprucht. Zum Vergleich: Heute leben über 8 Milliarden Menschen auf der Erde – 1975 waren es 4 Milliarden.
- Over-harvesting: Übernutzung von Ressourcen, deren Regeneration bei der gegenwärtigen Entnahme nicht mehr möglich ist.
Verändert sich einer dieser Aspekte, beeinflusst das auch die anderen. Wir müssen diese Faktoren in eine positive Richtung lenken.


Ebenso wie im zum Bezirk gehörenden Ortsteil Kreuzberg gibt keinen historischen Siedlungskern, denn Friedrichshain wurde erst 1920 im Zuge der Gründung von Groß-Berlin aus den historischen Stadtteilen Stralauer Vorstadt, Königsstadt, Stralau, Boxhagen und Friedrichsberg gebildet. Der Name leitet sich von dem seit 1846 am Rand des Bezirks angelegten Volkspark ab, der auch die erste kommunale Grünanlage Berlins. Er ist mit 49 ha die größte Parkfläche in FHXB.
Bis ungefähr Mitte des 19. Jahrhunderts waren weite Teile der Gegend von Gärten, Wiesen und Ackerland dominiert. Danach verdichtete sich der Bereich durch Industrialisierung und Zuwanderung, sowie des damit verbundenen Aufbaus von flächendeckenden Wohnquartieren rapide. Der Bevölkerungszuwachs war enorm und um 1925 lebten hier mehr als 330.000 Menschen. Heute beträgt die Einwohnerzahl in Friedrichshain etwas mehr als 140.000. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist insgesamt der flächenmäßig kleinste und zugleich mit der am dichtesten besiedelte Bezirk Berlins.


- Einwohner Berlin: 3.897.145
Einwohner Friedrichshain-Kreuzberg: 292.624 - Einwohner pro km² Berlin: 4.475
Einwohner pro km² Friedrichshain-Kreuzberg: 14.398
- Gesamtfläche Berlin: 89.112 ha (891,12 km2)
Gesamtfläche Friedrichshain-Kreuzberg: 2.040 ha - Siedlungs- und Verkehrsfläche Berlin insgesamt: 63.919 ha
Siedlungs- und Verkehrsfläche Friedrichshain-Kreuzberg: 1.906 ha - Verkehrsfläche Berlin: 15%
Verkehrsfläche Friedrichshain-Kreuzberg: 26% - Flächenversiegelung Berlin: 34%
Flächenversiegelung Friedrichshain-Kreuzberg: 68%
- Öffentliche Grünflächen Berlin insgesamt: 10.712 ha
Öffentliche Grünflächen Friedrichshain-Kreuzberg: 289 ha - Grünanlagen incl. Spielplätze Berlin: 5.337 ha
Grünanlagen incl. Spielplätze Friedrichshain-Kreuzberg: 205 ha - Kleingärten Berlin insgesamt: 2.891 ha
Kleingärten Friedrichshain-Kreuzberg: 7 ha - Friedhofsfläche Berlin insgesamt: 1.095 ha
Friedhofsfläche Friedrichshain-Kreuzberg: 47 ha - Straßengrün Berlin insgesamt: 1.389 ha
Straßengrün Friedrichshain-Kreuzberg: 30 ha - Waldfläche auf Berliner Stadtgebiet: 15.778 ha
Waldfläche in Friedrichshain-Kreuzberg: 0 ha


- Anlagenbäume insgesamt in Berlin: ≈549.000
Anlagenbäume in Friedrichshain-Kreuzberg: ≈24.300 - Als Naturdenkmale deklarierte Bäume in Berlin insgesamt: 638
Als Naturdenkmale deklarierte Bäume in Friedrichshain-Kreuzberg: 72 - Straßenbäume insgesamt in Berlin: 438.729
Straßenbäume in Friedrichshain-Kreuzberg: 16.467 - Durchschnittlich stehen an jedem Kilometer Stadtstraße rund 81 Bäume, in Friedrichshain-Kreuzberg sind es 92.
- Fällungen Friedrichshain-Kreuzberg 2024: 187
Neupflanzungen Friedrichshain-Kreuzberg 2024: 6 - Fällungen Berlin 2024: 5.280
Neupflanzungen Berlin 2024: 2.571 - Fällungen 2014-2024: 65.725
Neupflanzungen 2014-2024: 27.268
Alle Zahlen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Stand 31.12.2024


Stadtspaziergänge Routen
Spaziergang I - Von der der Weberwiese zum Volkspark Friedrichshain
Start: U-Bhf. Weberwiese am Rosengarten
Weidenweg, Auerdreieck, Auerstr., Weidenweg, Friedenstr./Palisadenstr., Hinterhofkomplex Zufahrtsstrasse, Koppenstr., Grünanlage Koppenstrasse, Palisadenstr., Schulweg, Grünanlage an der Auferstehungskirche, Friedenstr., Strausberger Str., rückwärtiger Bereich Bumeranghaus, Platz der vereinten Nationen 3-12, Grünanlage
Endpunkt: Grünanlage Platz der Vereinten Nationen 1-2 gegenüber des Volkspark Friedrichshain.
(durchgeführt am 28.07./03.08.2025, Dauer ca. 2,5 Stunden)

- 1 - Grünanlage Rosengarten
- 2 - Grünanlage Ensemble Karl-Marx-Allee
- 3 - Grünanlage Auerdreieck
- 4 - Grünanlage Koppenstrasse, Kastanienwäldchen
- 5 - Grünanlage Schulweg
- 6 - St. Petri Luisenstadt, Georgen-Parochial Friedhöfe
- 7 - Grünanlage Auferstehungskirche
- 8 - Friedensstrasse, Blühwiese Mittelstreifen
- 9 - Grünanlage Platz der vereinten Nationen
- 10 - Volkspark Friedrichshain
- J - Naturdenkmal Ahornblättrige Platane
Spaziergang II - Stralauer Halbinsel
Start: Alt-Stralau Ecke Kynaststr.,
Am Dora-Benjamin-Park, Caroline-Tübbecke-Ufer, Wendenpark, Tunnel-Str.,Inselspitze Kap Stralau, Hansa-Ufer, Bartholomäusufer, Paul-und-Paula-Ufer, Pocketpark Friedrich-Junge-Str., Fischzug Promenade, Grünanlage Engelwiese
Endpunkt: Bahrfeldstr.
(durchgeführt am 29.07./02.08.2025, Dauer ca. 2,5 Stunden)

- 15 - Ufergrünzug Spree und Rummelsburger Bucht
- 16 - Grünanlage Karl-Marx-Gedenkstätte
- 17 - Grünanlage Wendenwiese und Friedhof Alt-Stralau
- 18 - Ökologische Ufergestaltung Schwanenwiese und Hansa-Werft
- 19 - Kleingartenanlage Alfred Kowalke
- 20 - Grünanlage Fischzug
- A - Geschützte Landschaftsbestandteile Liebesinsel und Kratzbruch
- B - Naturdenkmal Berg-Ahorn
- C - Naturdenkmal Stiel-Eiche
- D - Naturdenkmal Stiel-Eiche
- E - Naturdenkmal Silber-Pappel
- F - Seerosen Biotop
- G - Naturdenkmal Silber-Weide
- H - Naturdenkmal Rosskastanie
- I - Naturdenkmal Ahornblättrige Platane
Spaziergang III - New Upper East Side Mühlenstraße
Start: Eingangshalle U-Bhf. Warschauer Str.,
Fußgängerbrücke zum S-Bahnhof, Tamara-Danz-Str., Freiplatz zwischen Mall und Streamtower, Uber-Platz, Valeska-Gert-Str., Freia-Elsner-Str., Privatweg zur Edith-Kiss-Str., Valeska-Gert-Str., Marianne-von-Rantzau-Str., Rummelsburger Platz, Privatweg Upside Berlin, Straße am Postbahnhof, Str. der Pariser Kommune, Uferweg im Park an der Spree und East-Side-Galery Park
Endpunkt: alter Mühlenspeicher kurz vor der Oberbaumbrücke.
(durchgeführt am 01.08.2023, Dauer ca. 2 Stunden)

- 11 - Park an der Spree mit japanischen Kirschbäumen der Sakura-Campain
- 12 - East-Side-Park
- 13 - Grünanlage Am Oberbaum
- 14 - Ruderale Trockenrasenbiotope


Impressum
Stadtwald - Ein künstlerisches Stadtforschungsprojekt von Nika Radić und Georg Spehr
© Juli/August 2025, Nika Radić (https://www.nikaradic.com/) und Georg Spehr (https://tonophonie.de/)
Unterstützt mit Mitteln des Projektfonds Kulturförderung Friedrichshain-Kreuzberg
Schwarzplan über https://swzpln.de/